Sonntag, 18. August 2013

Gefährlich sind nur Streitigkeiten unter Menschen, die einander nicht ganz verstehen.

Streit.
Jeder kennt ihn. Die wenigsten mögen ihn.
Ich habe nichts gegen einen guten Streit. Ein Streit, bei dem Sachen klar ausgesprochen werden, die Karten auf dem Tisch liegen.
Wenn man Dampf ablässt und sich danach versöhnt.
Streit kann einfach nützlich sein, um einander besser zu verstehen.

Streit muss keine Beziehung oder Freundschaft beenden. Traurigerweise gehört er zum Leben dazu.

Am Streit gibt es aber eine Sache, die ich ganz und gar nicht mag.

Ich mag es nicht, wenn Beziehungen im Streit enden. Zerstört werden.
Wenn man sich streitet und danach getrennte Wege geht.

Erstaunlicherweise, und ja, das ist verrückt, kann ich mich an jeden Menschen erinnern, mit dem ich im Streit auseinander gegangen bin.
Das stört mich auch Jahre später noch. Jahre können vergehen - ich kann es nicht vergessen.

Manches ist so lange her, mit manchen will man sich nicht mehr aussöhnen, manche sind zu weit weg.
Einiges ist einfach vorbei.
Anderes wiederum... manchmal suche ich auch nach Jahren noch die Versöhnung.

Es gibt aber auch Beziehungen die im Streit enden, die nicht mehr gekittet werden können.

Versteht es nicht falsch, ich habe per sé nicht mal das größte Problem damit wenn Beziehungen enden.
Es ist eher das wie.

Und nun ist es wieder eingetreten. Eine Beziehung endet. Ohne Achtung vor dem anderen. Ohne Würde. Ohne Empathie.
Er war 3 Jahre lang der wichtigste Mensch in meinem Leben. Und 3 Jahre sind in meinem Alter, finde ich jedenfalls, schon eine lange Zeit.

Wir haben uns vor Monaten getrennt. In Frieden. Wir wollten keine Schlammschlacht. Und jetzt, nach 8 Monaten, ist sie da, die Schlammschlacht.

Wir streiten. Nur. Da ist nur noch aufgestaute Wut und Frust, Vorwürfe fallen, die Fronten sind verhärtet. Es wurden Dinge gesagt, die verletzen. Manche Dinge, die aufs heftigste verletzen könnten, wurden zurück gehalten. Ein Hauch von Anstand? Wohl kaum.

Ich habe heute den letzten Versuch unternommen Ruhe zu säen. Was ernte ich? Noch mehr Lärm. Sturm. Vorwürfe.

Ich sagte ihm, dass ich es schade fände wie es nun endet. Dass wir einander hie und da einfach missverstanden haben. Es sei traurig.

Ein gut gemeinter, v.a. auch ehrlich gemeinter, letzter Versuch.
Die Antwort? "Daran bist nur du Schuld!"

Als würde er damit einen Schalter umlegen fahre ich wieder hoch, ich koche vor Wut. Dieser verzweifelte Kampf ruhig zu bleiben. Aber all meine Ruhe hat nichts mehr gebracht.
Ich kann die Vorwürfe und Machtspiele nicht mehr ertragen. Ich habe keine Geduld mehr. Da ist nur Zorn.
Diese Beziehung ist irreparabel. Sie ist ruiniert.

Nur noch einmal herrscht Einvernehmen: Es ist vorbei. Für immer.
Der wütende Gedanke meinerseits: Ist mir doch egal. Ich hasse ihn! Ich habe mein ganzes Leben damals für ihn aufgegeben. Alles. Ich habe 3 Jahre verschwendet. 3 Jahre, welche die besten meines Lebens hätten werden sollen!
Doch Wut flaut ab. Dann bin ich traurig. Denke an all die schönen Tage. Die Momente. Das Lachen. Den Spaß den wir hatten.

Es schmerzt mich. Die Trennung war mir egal. Die Trennung im Streit gibt mir das Gefühl innerlich zu verbluten.

Nicht, weil ich bereue. Nicht, weil ich mich vor Sehnsucht verzehre. Nein. Einfach nur deshalb, weil Beziehungen nicht im Streit enden sollten.

Doch was soll man tun, wenn der Streit nicht zu beenden ist?

Ich könnte es beenden. Ich müsste nur zugeben, dass alles mein Fehler sei. Dass ich an allem Schuld bin.
Das wäre aber gelogen.

Es gehören immer zwei dazu. Nie einer alleine.
Egal wie groß die Wut, der Zorn, der Frust. Egal wie alles in einem tobt. Man darf das nie vergessen.


Schuld ist eine Medaille mit zwei Seiten. Streit auch.