Samstag, 12. Januar 2013

Nobody's perfect but me! Oder auch: Die Leiden eines Perfektionisten.

Perfektionismus ist nichts Gutes.
Soviel dazu.

Und ich rede hier aus Erfahrung! Es ist ganz furchtbar, weil es einen kaputt machen kann.

Warum? Weil es irgendwie zeitintensiv ist.

Ich werde mir selbst nicht mehr gerecht. Ich will so viel und alles richtig und perfekt und zügig und makellos.

Perfektionismus auf allen Ebenen. Früher war ich nicht so, woher kommt das jetzt?

Ich will meinen 1,0er Notendurchschnitt weiterhin behalten. ich will in jedem Fach extrem gut sein. Ich will meinen Nebenjob perfekt machen, jeder Fehler wirft mich aus der Bahn.
Ich will weiter Rad fahren, trainieren gehen, schwimmen gehen.
Ich will mich extrem gut ernähren.
Ich will die Welt verändert (Tier-und Umweltschutz)
Ich will mein Praktikum rocken.
Ich will Zeit für meine Freunde haben.

Ich will mich noch mehr für den Tierschutz engagieren, aktiver werden. Gut, ich bin Mitglied in 2 Vereinen, spende, kläre auf etc. Aber ich will mehr! Ich will es GANZ. Ich will in Länder reisen, Streunerhelfen, Tiere befreien. Voll dabei sein.

Ich will mindestens 3mal die Woche meinem Sportpensum gerecht werden.
Ich will für jede Prüfung mindestens 3 Tage vorher lernen.
Ich will weiterhin meine Musikausbildung  vorantreiben.
Ich will mein Auslandssemester hinkriegen.
Ich will immer und überall die Beste sein. Arbeit, Schule, Leben.


Problem? Ich kann dem nicht mehr entsprechen. Es gibt Tage and enen ich überhaupt nichts esse, weil ich keine Zeit dafür finde.
ich bin so überarbeitet, dass ich ewig nicht schlafen kann, nur um dann morgens zu verschlafen.
Ich habe nicht einen einzigen freien Tag in der Woche, nicht eine Minute Ruhe für mich und werde meinen Ansprüchen dennoch nicht gerecht.

Es macht mich allmählich fertig. Physisch und psychisch. Ich bin launisch, maulig, verpennt, unkonzentriert... und mache dadurch immer mehr Fehler.

Physisch bin ich total im Eimer. Völlig kaputt. Mein Körper tut so weh. Meine Herzrhythmusstörung ist wieder da. Ausgelöst durch mich selber.


Es ist nicht richtig alles  perfekt machen zu wollen.
Ich habe so viele Ideale und Ziele. Ich kann mir mein eigenes Leben nicht mehr finanzieren, habe zeitweise kein Geld für Essen, weil ich mein mickriges Einkommen spende.

Ich wollte so gerne wieder in die Kirche gehen. Ich brauche das. Dringend. Und ich schaffe es nicht.

Wieder versagt. Ich versage dabei, mir selbst Stärke aus meinem Glauben zu ziehen.
Musik wollte ich auch wieder mehr machen, aber nein. Das Maximum was ich erreiche ist weiterhin Gitarre zu spielen. Trompete und Geige ruhen. Und die Klavierstunden? Soviel dazu.

Erbärmlich!

Ich habe soviele Ideale und Moralvorstellungen, ich kann sie beinahe nicht mehr alle selbst vertreten.

Die Zeit ist mein Feind. Und mein Körper, der soviel schwächer ist als mein Geist.


Wie bin ich eigentlich zu einem derartigen Weltverbesserer geworden? Ich lerne sogar einen sozialen Beruf! Früher wäre das undenkbar gewesen.
Früher wäre auch Perfektionismus nichts gewesen, was man mit mir assoziiert.



Ich rate alle dringend ab alles machen zu wollen und in allem perfekt sein zu wollen. Das geht schief.

Und obwohl ich diese Erkenntnis habe, lässt mich jeder Fehler an mir selbst verzweifeln.

Bei der Arbeit eine PLU-Nummer falsch eingetippt und innerlich einen halben Nervenzusammenbruch erlebt.
Mein Schnitt in Englisch ist nur 1,2 statt 1,0. Mit den Tränen gekämpft.
Einmal Fleisch gegessen. Ich hätte mich am liebsten ausgepeitscht.
Nicht zur Kirche gschafft. Verzweiflung.
Kekse statt Gemüse gegessen. Selbsthass.
Nicht für den Tierschutz auf der Straße stehen. Wieder Selbsthass und Verzweiflung.


Das kann es nicht mehr sein.


Wie kommt man da eigentlich wieder raus?

1 Kommentar:

  1. Pass auf, dass das nicht in einem Burn out endet! Ich spreche da aus Erfahrungen.

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